Eine Frau mit Brille und kurzem, dunklem Haar spricht in ein Mikrofon.

Myanmar: Aufruf zur Freilassung der Gewerkschaftsführerin Myo Myo Aye und der STUM-Aktivist*innen

Wir, die unterzeichnenden Organisationen, fordern die Behörden Myanmars auf, die Vorsitzende der Solidarity Trade Union of Myanmar (STUM) und Menschenrechtsverteidigerin Myo Myo Aye sowie weitere Mitglieder der STUM-Gewerkschaft – darunter auch Myo Ayes Tochter Chue Thwel – umgehend freizulassen. Sie wurden willkürlich festgenommen und inhaftiert – unter unbekannten Vorwürfen und ohne rechtsstaatliches Verfahren.

Am 25. Juli 2025 wurde die 56-jährige Myo Myo Aye in ihrem Haus im Stadtbezirk Shwe Pyi Thar in Yangon festgenommen. Die Festnahme erfolgte unter erschütternden Umständen: Die Behörden zwangen ihren Sohn, sich hinzuknien, und richteten vor den Augen von Myo Aye und ihrem Ehemann Waffen auf seinen Kopf, um Myo Aye zur Herausgabe ihrer digitalen Geräte zu zwingen.

Nach der Durchsuchung ihres Zimmers wurde sie in Handschellen abgeführt. Die Behörden beschlagnahmten u. a. ihre persönlichen Gegenstände und Geld. Zur gleichen Zeit durchsuchten Beamte auch das STUM-Büro, in dem sich Chue Thwel (27) aufhielt. Etwa ein Dutzend Zivilpersonen, darunter der Bezirksverwalter von Shwe Pyi Thar, drangen gewaltsam in das Büro ein und konfiszierten Laptops und Mobiltelefone.

Bis heute ist nicht bekannt, weshalb Myo Myo Aye festgehalten wird

Am Abend des 27. Juli, als erste Informationen über die Festnahme bekannt wurden, veröffentlichte Chue Thwel eine kurze Stellungnahme in sozialen Medien, in der sie um Privatsphäre für sich und ihre Familie bat. Am folgenden Abend (28. Juli) wurde auch Chue Thwel gemeinsam mit drei weiteren STUM-Mitarbeiter*innen festgenommen. Ein weiteres Mitglied wurde am frühen Morgen des 29. Juli verhaftet. Zudem versiegelten die Behörden alle drei STUM-Büros, einschließlich des Büros der angeschlossenen Organisation „Solidarity of Township Garment Labour Organisation“.

Bis heute ist weder bekannt, wo sich die Menschenrechtsverteidigerin Myo Myo Aye, ihre Tochter und die anderen Inhaftierten befinden, noch weshalb sie festgehalten werden. Wir befürchten jedoch, dass sie sich im Verhörzentrum von Shwe Pyi Thar befinden – ein Ort, der für Folter und entwürdigende Behandlung berüchtigt ist. Myo Myo Aye braucht dringend Medikamente. Bisher war es jedoch noch nicht möglich, ihr diese Medikamente zukommen zu lassen. Wir machen uns daher große Sorgen um ihre Gesundheit und Sicherheit sowie um das Wohlergehen der anderen Inhaftierten.

  • Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantiert in Artikel 9, dass „niemand willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden darf“.
  • Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) garantiert in Artikel 9(2), dass „jede festgenommene Person bei der Festnahme über die Gründe ihrer Festnahme informiert und unverzüglich über die gegen sie erhobenen Beschuldigungen unterrichtet werden muss“.
  • Artikel 14(3)(b) sichert zudem das Recht auf angemessene Zeit und Mittel zur Vorbereitung der Verteidigung sowie die freie Wahl eines Rechtsbeistands. Die UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen erkennt ausdrücklich das Recht an, sich frei und sicher für Menschenrechte und Grundfreiheiten einzusetzen.

All diese grundlegenden Rechte wurden Myo Myo Aye, Chue Thwel und den anderen inhaftierten STUM-Mitgliedern verweigert.

Myanmars Militärführer Min Aung Hlaing kündigte an, bis Ende dieses Jahres „freie und faire Wahlen“ abzuhalten. Doch willkürliche Festnahmen von Zivilistinnen, Menschenrechtsverteidigerinnen und Gewerkschafterinnen wie Myo Myo Aye und weiteren STUM-Mitgliedern dauern an. Ein Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte vom Mai 2025 zeigt, dass laut glaubwürdigen Quellen bis zum 31. März 2025 etwa 28.961 Zivilpersonen festgenommen wurden, 22.165 sich noch in Haft befinden und 172 zum Tode verurteilt wurden – durch von Militärs kontrollierte Gerichte, die weder rechtsstaatliche Garantien noch faire Verfahren gewährleisten. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechtsverteidiger*innen äußerte wiederholt Besorgnis über die Sicherheit in Myanmar.

Myanmar: Gewerkschaften für illegal erklärt

Im Jahr 2021 erklärten die Behörden Myanmars 16 Gewerkschaften und arbeitsrechtliche Organisationen – darunter STUM – für illegal. STUM und Myo Myo Aye setzten sich weiterhin für Versammlungsfreiheit und Tarifverhandlungen ein und kämpften unter zunehmend gefährlichen Bedingungen für besseren Arbeitsschutz.

Myo Myo Aye war jedoch immer wieder Schikanen durch Behörden und Unternehmen ausgesetzt. Bereits im April 2021 war sie über sechs Monate inhaftiert, bevor sie im Oktober 2021 freikam. Ihr jetziges Verschwinden ist eine Fortsetzung der politischen Verfolgung, die sie aufgrund ihres gewerkschaftlichen und menschenrechtlichen Engagements erfährt.

Wir rufen die internationale Gemeinschaft und Regierungen auf, sich für die Sicherheit und den Schutz von Myo Myo Aye, Chue Thwel und der weiteren inhaftierten STUM-Mitglieder einzusetzen. Konkret fordern wir:

  • Die sofortige und bedingungslose Freilassung der Menschenrechtsverteidigerin Myo Myo Aye, ihrer Tochter Chue Thwel und anderer inhaftierter STUM-Mitarbeiter*innen;
  • nach dem Verbleib von Myo Myo Aye und anderen STUM-Mitgliedern sowie nach den Haftbedingungen nachzuforschen;
  • sich für eine faire Behandlung, rechtliche Vertretung und humanitäre Unterstützung für Myo Myo Aye und andere STUM-Mitglieder einzusetzen;
  • die Achtung der Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit von Arbeitsrechtsverteidiger*innen wie Myo Myo Aye und anderen STUM-Mitgliedern zu fordern; und
  • öffentlich die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen zu fordern und willkürliche Verhaftungen, Einschüchterungen und Vergeltungsmaßnahmen zu verurteilen.

Wir rufen internationale Organisationen dazu auf, sich solidarisch zu zeigen. Unterstützen Sie Myo Aye und die STUM-Mitglieder, indem Sie auf den Sozialen Medien über den Fall berichten. Nehmen Sie Kontakt mit Regierungsstellen auf und fordern Sie konkrete Maßnahmen ein!

Unterzeichnende Organisationen:

  • Clean Clothes Campaign (CCC)
  • Just Associates (JASS)
  • Asia Pacific Forum on Women, Law and Development (APWLD)
  • Asian Forum for Human Rights and Development (FORUM-ASIA)
  • Korean House for International Solidarity
  • Federation of United Indonesian Workers Union (FSBPI)
  • Cambodian Food And Service Workers Federation (CFSWF)
  • Digo Bikas Institute – Nepal
  • Center for Women’s Resources (CWR), Philippinen
  • Kilusan ng Manggagawang Kababaihan (KMK), Philippinen
  • FAMM Indonesia (Forum junger Aktivistinnen)
  • Ranao Women and Children Resource Center, Inc. (RWCRC), Mindanao, Philippinen
  • Kilusang Mayo Uno (KMU), Philippinen
  • Perempuan Mahardhika, Indonesien
  • Beyond Beijing Committee
  • Dabindu Collective, Sri Lanka
  • Human Rights Now, Japan
  • Tanggol Bayi, Philippinen
  • KARAPATAN, Philippinen
  • Front Line Defenders
Gewerkschaftsrechte, Myanmar

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